
Kühle Orte
100 Meter Abenteuer durch den Kaiserstuhl
Kann ein Tunnel zum perfekten Sommerziel werden? Zugegeben – als die Wetter-App an diesem Sonntagmorgen 34 Grad anzeigt, denken meine Jungs und ich zunächst an Freibad. Stattdessen wandern jedoch Taschenlampen und eine UV-Lampe in unseren Rucksack. Unser Ziel liegt im Erletal bei Endingen. Dort soll sich ein Ort verbergen, an dem selbst an heißen Sommertagen angenehm kühle Luft aus einem Berg strömt. Das wollen wir selbst erleben.
05.08.2026
Von Stephanie Reisenberger
Ein erfrischendes Sommerabenteuer im Erletal
Schon am Erleweiher am Ortsrand von Endingen wird deutlich, warum dieser Ort im Sommer so beliebt ist. Zwischen Liegewiese, Nichtschwimmerbereich und Spielplatz genießen Groß und Klein die Erfrischung im Wasser. Während wir den Blick über den Weiher schweifen lassen, entdecken unsere Kinder sofort die ersten Bewohner: Wasserschildkröten, die gemächlich ihre Bahnen durchs Wasser ziehen.
Unser Weg führt jedoch weiter. Entlang des Erlebachs tauchen wir Schritt für Schritt in das Naturschutzgebiet Erletal ein. Schon bald spannt sich über uns ein grünes Dach aus mächtigen Kastanienbäumen. Mehr als eineinhalb Kilometer begleiten uns über 100 Kastanien und spenden selbst an diesem heißen Sommertag wohltuenden Schatten. Der Bach plätschert leise neben dem Pfad, Vogelhäuschen säumen den Weg und mit jedem Meter scheint die Sommerhitze ein wenig weiter in den Hintergrund zu rücken.
An einer kleinen Quelle mit Marienfigur legen wir eine Pause ein. Das klare Wasser tritt seit Jahrhunderten aus dem Berg hervor. Hände, Schläfen und Nacken sind schnell gekühlt – manchmal sind es die kleinen Momente, die einen Sommertag besonders machen. Dass dieses Quellwasser früher bereits weit mehr als nur eine willkommene Erfrischung war, wird uns später auf unserer Tour bewusst.
Kalte Luft aus dem Berg
Je weiter wir der Kastanienallee durch das Erletal folgen, desto gespannter werden wir. Kurz bevor der Katharinenpfad in den Wald führt, verlassen wir den Wanderweg und biegen auf einen unscheinbaren Wirtschaftsweg ab. Ein kleines Schild bestätigt, dass wir richtig sind: Erleloch.
Schon bevor wir den Tunnel betreten, bleiben wir überrascht stehen. Aus der dunklen Öffnung strömt uns eine angenehm kalte Brise entgegen. Wie eine natürliche Klimaanlage weht sie aus dem Berg und lässt die Hitze des Tages für einen Moment vergessen.
Warum ist es im Erleloch eigentlich so kühl?
Der Tunnel verläuft tief durch den Brüstleberg. Das vulkanische Gestein erwärmt sich deutlich langsamer als die Luft an der Oberfläche und speichert über lange Zeit
niedrigere Temperaturen. Besonders an heißen Sommertagen strömt deshalb angenehm kühle Luft aus dem Stollen – ein Effekt, den man bereits wenige Schritte vor dem Tunneleingang deutlich spürt.
Licht aus!
Zum Glück haben wir Taschenlampen dabei. Der rund 100 Meter lange Stollen ist stellenweise so niedrig, dass wir Erwachsenen automatisch den Kopf einziehen. Bereits nach wenigen Metern verschluckt die Dunkelheit das Tageslicht. Nur die Lichtkegel unserer Taschenlampen weisen den Weg. Mitten im Tunnel kommt plötzlich der Vorschlag: „Licht aus!“ Mit einem Klick verschwindet der letzte Lichtschein.
Für einen kurzen Moment sehen wir… nichts. Kein Ein- oder Ausgang. Keine Konturen. Keine Farben. Nur absolute Dunkelheit und kurzzeitige Stille. Erst als wir die Lampen wieder einschalten und ein paar Schritte weitergehen, erscheint in der Ferne ein kleiner heller Punkt. Der Ausgang.
Kaum treten wir ins Riedbachtal hinaus, empfängt uns wieder die warme Sommerluft. Der Temperaturunterschied ist verblüffend. Kein Wunder, dass wir ad hoc umdrehen und den angenehm kühlen Tunnel gleich ein zweites Mal durchqueren.
Auf Spurensuche
Doch diesmal haben wir einen anderen Auftrag. Wir tauschen die Taschenlampen gegen eine UV-Lampe. Im Tunnel sollen Hinweise einer We.Escape-Rätseltour – einer Art Schnitzeljagd - versteckt sein. Neugierig wandert der Lichtkegel unserer UV-Lampe über die Felswände. Links. Rechts. Noch einmal genauer. Und tatsächlich – plötzlich mitten im Tunnel sticht uns ein geheimnisvolles Symbol ins Auge. Das Rätsel lösen wir heute zwar nicht, aber die Neugier ist geweckt. Bei einem kommenden Besuch steht die Rätseltour ganz oben auf unserer Liste.
Ein Tunnel mit Geschichte
Dass heute Besucher durch den Stollen laufen, war ursprünglich nie vorgesehen. Das Erleloch entstand aus einem ganz praktischen Grund: Als die Quellen im Erletal Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr ausreichten, um Endingen zuverlässig mit Trinkwasser zu versorgen, wurde 1788 ein Wasserstollen durch den Brüstleberg gegraben. So konnte zusätzlich Quellwasser aus dem benachbarten Riedbachtal in die Stadt geleitet werden. Ein außergewöhnliches Bauwerk – und bis heute frei zugänglich.
In diesem Moment denken wir zurück an unsere Rast an der kleinen Quelle. Für uns war das kühle Wasser eine angenehme Erfrischung. Für die Menschen damals war es lebenswichtig. Mit dem Bau des Stollens gelang es, weitere Quellen zu erschließen und die Wasserversorgung der Stadt nachhaltig zu verbessern. Plötzlich bekommt unsere kleine Pause am Wegesrand eine ganz neue Bedeutung.
Noch einmal genießen wir den angenehmen Schatten der Kastanienallee, bevor wir den Erleweiher erreichen. Dort gönnen wir uns ein Eis und lassen den Tag anschließend mit einem Gang durch das Kneippbecken ausklingen. Die Füße im kühlen Wasser, die Eindrücke des Tages noch im Kopf – manchmal sind es gerade die unerwarteten, kleinen Entdeckungen am Wegesrand, die einen Sommerausflug unvergesslich machen.
Unser KaiserGfühl
Wenn die Temperaturen steigen, muss es nicht immer das Freibad sein. Das Erletal überrascht mit erfrischendem Erleweiher, einer schattigen Kastanienallee, kühlem Quellwasser und einem historischen Tunnel, der selbst an heißen Sommertagen für eine erfrischende Abkühlung sorgt. Ein Ort, den viele nicht auf ihrer Sommerliste haben – und gerade deshalb ein erfrischender Geheimtipp für heiße Tage im Naturgarten Kaiserstuhl.
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