Mit dem Winzer durchs Jahr

Der Rebschnitt
Statistisch gesehen wird jeder Rebstock 17 mal pro Jahr vom Winzer besucht und bearbeitet. Somit beginnt auch das Weinjahr bereits im Januar. Ausgestattet mit warmer Kleidung, Handschuhen und Rebschere, schneidet der Winzer jeden einzelnen Rebstock auf zehn bis zwölf Augen pro Stock. Die alten Ruten werden entfernt, sodass nur das neue Fruchtholz
an der Rute bleibt. Diese Arbeit setzt bereits den Grundstein für die Qualität der Trauben.
 
Die Humusbildung im Weinberg
Die abgeschnittenen Ruten werden aus den Drähten gezogen, in die Fahrgasse gelegt und dort maschinell zerkleinert. Mit den darin enthaltenen Nährstoffen werden die Böden
und somit auch die Rebstöcke natürlich gedüngt, wobei man zusätzlich mit einer nährstoffhaltigen Einsaat arbeitet.
 
Das Neigen
Nach dem Schneiden werden die Ruten einzeln mit der Hand waagrecht um den Draht gebogen. Das nennen die Winzer „neigen“. Sobald es etwas wärmer ist, bilden sich die ersten Knospen, die dann über den Sommer senkrecht nach oben wachsen und dadurch eine schöne Laubwand bilden.
 
Rebblüte und Laubarbeiten
Die sogenannten Laubarbeiten bilden die Hauptarbeitszeit im Winzerjahr und dauern vom Frühjahr bis kurz vor der Weinlese. Die Triebe sprießen je nach Wetterlage unterschiedlich
schnell. Die Traube benötigt aber zum gesunden Wachstum eine durchlüftete Laubwand. Deshalb müssen überschüssige Triebe gleich zu Beginn entfernt werden, damit es genug
Luft und Licht gibt. Später fährt der Winzer mit dem Traktor und dem Laubschneider durch die Rebzeilen und kürzt die Triebe maschinell ein.

Bis zu den Eisheiligen lassen viele Winzer zwei Ruten pro Stock stehen damit das Risiko bei Frost minimiert wird. Danach reduzieren viele Winzer auf eine Rute. Dadurch wird die Kraft des Rebstocks in den einen übrigen Rebstock gelenkt und die Qualität des Rebsaftes gesteigert. Durch Entfernen einiger Trauben im Sommer kann der Winzer die Qualität des Weins ebenfalls steigern.

Der Pflanzenschutz ist in dieser Zeit ebenfalls unerlässlich. Das nationale Pflanzenschutzgesetz ist dabei einzuhalten. Mit allen Pflanzenschutzmaßnahmen soll eine hohe Qualität mit ausreichendem Ertrag gesichert, aber auch die Umwelt geschont werden.

Echter und Falscher Mehltau (Pilze) sind die Hauptrebkrankheiten, die durch Feuchtigkeit und Wärme natürlich vorhanden sind und entsprechend bekämpft werden müssen. Aber auch Schädlinge wie die Reblaus, der Traubenwickler und der Pilz Botrytis sind nicht zu unterschätzen und halten den Winzer auf Trab. Der Weinbauberater der Region ist in dieser Zeit ein wichtiger Partner der Winzer. Er legt mit Hilfe von Prognosemodellen den Behandlungszeitraum fest, empfiehlt geeignete Spritzmittel und deren Dosierungen.

Weinlese
Herbst am Kaiserstuhl: Wie genau wird aus den Kaiserstühler Trauben eigentlich Wein gemacht? Wer schon immer mal live dabei sein wollte, hat jetzt die Chance, dem Winzer über die Schulter zu schauen und selbst „mitzuherbsten“. Am besten Sie kontaktieren direkt einen Weinbaubetrieb oder einen Kaiserstühler Winzerhof.

Die Arbeit im Weinkeller
Im Herbst wurden die Trauben geerntet, von Hand oder mit dem Vollernter, danach in einer Abbeermaschine vom Stielgerüst getrennt und leicht angequetscht. Mit Hilfe einer Pumpe wurde die Maische, also die Beeren mit dem Saft, in die Presse befördert. Es gibt verschiedene Pressverfahren: Bei Weißwein wird die Maische bis zu drei Stunden ausgepresst. Der Saft wird dann in einen Tank umgepumpt, Hefe zugesetzt und vergoren. Bei Weißwein spricht man ab diesem Zeitpunkt von Saft. In einigen Fällen wird auch ohne Hefezusatz spontan vergoren. Bei Rotwein wird die Maische nach der circa 14-tägigen Gärung (mit oder ohne Hefe) abgepresst. Durch die Beerenhäute in der Maische erhält der Rotwein seine Farbe. Man spricht von einer Maischegärung. Ein weiteres Rotweinverfahren ist die Maischeerhitzung, bei der die Maische auf über 80 Grad erhitzt wird. Vergoren bedeutet, dass der Zucker in Alkohol umgewandelt wird.

Nach circa zwei Wochen wird der neue Wein von der Hefe getrennt. Der neue Wein reift bis Weihnachten oder länger in den Fässern – in Holzfässern oder Stahltanks.

Der Kellermeister kontrolliert wöchentlich den Reifeprozess des Jungweins und entscheidet je nach Qualität, welcher Weinlinie im Sortiment der Wein zugeordnet wird. Während des Jahreswechsels finden die Laboruntersuchungen statt. Im Frühjahr wird der Wein dann filtriert, in Flaschen gefüllt, etikettiert und verpackt.
 
Wussten Sie schon, dass ...
… für die Eisweinlese – meist im Dezember – die Trauben minus sieben Grad auf der Presse haben müssen? Falls dies nicht erreicht wird, können die Trauben je nach Zuckergehalt zu den Qualitätsstufen Beerenauslese oder Trockenbeerenauslese verarbeitet werden.
 

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